Kaiserschnitt-Blog
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Dienstag, 14. September 2010 - 19:03 Uhr
Plädoyer für den Kaiserschnitt

Essen. Der Kaiserschnitt gehört enttabuisiert – und Frauen, die sich dazu entscheiden, gehören nicht länger beschimpft und beleidigt. Was zählt, ist das Kind - da sollte der Geburtsweg egal sein.
Eigentlich ist es absolut frauenfeindlich, öffentlich darüber zu diskutieren, was nun besser ist: eine natürliche Geburt oder ein Kaiserschnitt. Denn es geht keinen etwas an, wie eine Frau ihr Kind zur Welt bringt. Man sollte jeder werdenden Mutter zutrauen, die richtige Entscheidung für ihr Kind und sich zu treffen.
Doch in meinem Inneren sehe ich sie schon: die Hebammen, die beim Thema „Geplanter Kaiserschnitt“ rot anlaufen und immer wieder die natürliche Geburt auf einen Thron heben. Doch da gehört sie nicht hin. Der Kaiserschnitt gehört in den Geburtskliniken von heute längst zu den Routine-Eingriffen. Geplante Kaiserschnitte machen etwa die Hälfte der Kaiserschnitt-Geburten aus – und auch nur darum soll es hier gehen. Medizinische Notfälle, die einen ungeplanten Kaiserschnitt erfordern, bleiben außen vor.
Finn Lübke heißt dieser kleine Frühaufsteher.
Eine Frau, die den Kaiserschnitt als schmerzfreieren Weg wählt, ist kein Weichei. Im Gegenteil, sie geht einfach pragmatisch an die Geburt heran und nimmt sich dabei nur Millionen Männer zum Vorbild, die auch gerne den Weg des geringsten Widerstands gehen. Gänzlich ohne Schmerzen funktioniert ein Kaiserschnitt zwar nicht, aber immerhin ist er eine gute Alternative zu einer Geburt, die sich zehn oder mehr Stunden hinziehen kann.
Schmerzgrenzen sind unterschiedlich
In der Bibel steht: „Unter Schmerzen sollst Du Deine Kinder gebären.“ Wie groß die Schmerzen dabei sein müssen, bleibt allerdings auch für gläubige Mamas unerwähnt. Hebammen springen in der Regel gerne ein und erklären, dass nur eine natürliche Geburt das vermeintliche Ideal ist. Frauen und die ungeborenen Kinder seien schließlich auf den Geburtsprozess eingestellt - und das seit Millionen Jahren. Gut, aber Menschen ticken unterschiedlich und können auch unterschiedlich viel ertragen. Ein Beispiel: Menschen sind ebenfalls seit Jahrhunderten darauf gepolt, das Blut von anderen sehen und riechen zu können. Und doch soll es werdende Väter geben, die beim Anblick ihrer blutenden Frau in Ohnmacht fallen. Auch so mancher Frau soll bei der Blutabnahme schon richtig übel geworden sein. Jeder und jede hat eben eine andere Schmerzgrenze.
Risiken gibt es bei beiden Geburten. Bei der natürlichen Geburt kann es eine mangelnde Sauerstoffversorgung sein, beim Kaiserschnitt das erhöhte Risiko einer Atemfunktionsstörung, weil das Baby eben nicht durch den Geburtskanal gepresst wird. Ob etwas passiert, wissen werdende Eltern im Vorfeld nie.
Was sie aber wissen: Sie wollen nicht nur einen Kaiserschnitt einer natürlichen Geburt vorziehen, sondern das auch noch an einem bestimmten Tag. Das kann man fragwürdig finden, aber wirklich schlimm ist es nicht. In der Regel erfolgt ein geplanter Kaiserschnitt etwa zwei Wochen vor dem eigentlichen Geburtstermin. Ob das Kind dann am Dienstag, Mittwoch oder Freitag geboren wird, ist egal.
Der Kaiserschnitt gehört enttabuisiert – und Frauen, die sich dazu entscheiden, gehören nicht länger beschimpft und beleidigt. Sie „leisten“ genauso viel wie eine Mutter, die sich für eine natürliche Geburt entscheidet. Denn sie haben sich für ein Kind entschieden, in der heutigen Zeit kein Normalfall. Sie tragen das Kind aus und werden es großziehen. Das Kind ist es, das zählt - da sollte der Geburtsweg egal sein.
Sonntag, 12. September 2010 - 18:27 Uhr
Kaiserschnitt im Trend

Fast jedes dritte Baby erblickt per Kaiserschnitt das Licht der Welt
Kaiserschnitt liegt im Trend – das ergab eine Auswertung der Versichertendaten der KKH-Allianz. Insgesamt zählte die Krankenkasse im vergangenen Jahr rund 16.700 Geburten. Davon erblickte fast jedes dritte Baby per Kaiserschnitt das Licht der Welt (32 Prozent). In Bayern wurden sogar 35 Prozent der Babys per Kaiserschnitt geboren.
„Aufgrund der gestiegenen Zahl der Risikoschwangerschaften werden Kaiserschnitte immer häufiger durchgeführt“, erklärt Robert Deindl, Leiter des KKH-Allianz Servicezentrums in Deggendorf.
Die meisten Kaiserschnitte werden in den alten Bundesländern durchgeführt: Spitzenreiter ist das Bundesland Saarland mit einer Kaiserschnittquote von 37 Prozent. Auch in Hessen und Niedersachsen bekommt jede dritte Frau auf diesem Wege ihr Baby (36 Prozent). Die wenigsten Kaiserschnitte gibt es in Sachsen (24 Prozent) und Sachsen-Anhalt (26 Prozent).
Zum Wochenende nimmt die Zahl der Kaiserschnittgeburten ab. Während beispielsweise an einem Dienstag rund 37 Prozent Kaiserschnitte durchgeführt werden, sind es an einem Sonnabend gerade mal 17 Prozent. „Das verwundert nicht, denn es ist klar, dass planbare Geburten in die üblichen Arbeitszeiten gelegt werden“, so Deindl.
Ein Grund für mehr Risikoschwangerschaften ist die steigende Zahl der Spätgebärenden: Bei der KKH-Allianz gab es bundesweit in der Altersgruppe der 40- bis 44-jährigen Frauen im vergangenen Jahr 41 Prozent mehr Geburten als 2004. Im Gegensatz dazu ist die Anzahl der Geburten in der Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen seit 2004 um 30 Prozent gesunken. Während in Bayern 32 Prozent in dieser Altersgruppe per Kaiserschnitt entbunden haben, waren es bei den Spätgebärenden sogar 45 Prozent. „Spätgebärende bringen häufiger als junge Frauen zusätzliche Risiken mit. Aus diesem Grund kann ein Kaiserschnitt eher infrage kommen“, erklärt Deindl. Aber auch Übergewicht, Mehrlingsgeburten oder Querlage des Kindes können Gründe für einen Kaiserschnitt sein.
Darüber hinaus entscheiden sich immer mehr Frauen für einen sogenannten Wunschkaiserschnitt. „Vor allem Erstgebärende sind vor der Entbindung ihres Babys unsicher. Aber auch Frauen, die bei einer vorangegangenen natürlichen Geburt schlechte Erfahrungen gemacht haben, wünschen sich bei einer erneuten Schwangerschaft oftmals einen Kaiserschnitt“, weiß der Gesundheitsexperte. Deshalb rät Deindl, die Sorgen vor der Entbindung mit der behandelnden Ärztin oder der Hebamme ausführlich zu besprechen und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Denn ein Kaiserschnitt sei zwar heute ein routinemäßiger Eingriff, „er kann aber auch schmerzhafte Komplikationen wie eine Wundheilungsstörung oder dauerhafte Unterbauchschmerzen auf Grund von Verwachsungen zur Folge haben.“
Donnerstag, 9. September 2010 - 22:39 Uhr
Vom Irrglauben der schmerzfreien Geburt

Von news.de-Redakteurin Katharina Schlager
Kaiserschnitte werden immer beliebter. Der Grund: Werdende Mütter hoffen, den Geburtsschmerz zu umgehen. Ein Trugschluss. Der Bauchoperation folgen oft langwierige Beschwerden.
Etwa jedes dritte Kind wird in Deutschland per Kaiserschnitt entbunden, anstatt auf natürlichem Weg durch den Geburtskanal das Licht der Welt zu erblicken. Doch nicht in allen Fällen ist die Bauchoperation medizinisch notwendig oder ärztlich empfohlen. (Schauen Sie sich dazu unsere Grafik zum Kaiserschnitt an.)
Das Spektrum der Gründe, warum sich eine Frau für den Kaiserschnitt entscheidet, ist vielfältig, meint Dr. Sven Seeger, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Halle an der Saale. Wer sein Kind per Wunschkaiserschnitt zur Welt bringt, kann den Termin passgenau ins eigene Berufsleben und das des Partners eintakten und dafür sorgen, dass bereits vorhandene Kinder versorgt sind, wenn die Krankenhaustasche im Auto landet.
Doch ausschlaggebend für den Schnitt sei häufig die Angst vor dem Geburtsschmerz. «Schmerzangst ist ein ganz wesentlicher Grund bei vielen Frauen, die sich für einen Kaiserschnitt entscheiden», so Seeger. Dabei sei es ein großer Irrtum, dass dieser Eingriff der schmerzfreie Weg ist. «Sicherlich ist eine Geburt schmerzintensiv», sagt Seeger. Aber: Viele Frauen könnten sich gar nicht vorstellen, dass das Schmerzempfinden während der Geburt unter Einfluss von Hormonen, neurologischen Botenstoffen und Anspannung anders empfunden wird und sogar positiv verarbeitet werden kann.
Postoperativer Schmerz ist lang und intensiv
Und: Der Schmerz einer normal verlaufenden, natürlichen Geburt sei wesentlich kürzer als beim Einsatz eines Skalpells. Denn der Kaiserschnitt unter Narkose sei zwar schmerzfrei, dafür zahlen frischgebackene Mütter anschließend unter Umständen einen hohen Preis. Postoperative Schmerzen können sich über Tage, in einzelnen Fällen auch Wochen und Monate hinziehen und durchaus intensiv sein.
Welche Entbindungsart schmerzhafter ist, lasse sich nicht pauschal beantworten, sagt Seeger. Das hänge von zu vielen Faktoren ab. Wie etwa Geburtsverlauf, individuelles Schmerzempfinden sowie die Schmerztherapie und Betreuung während und nach der Geburt.
Das Argument, eine Frau sei so schmerzempfindlich, dass sie die Geburt grundsätzlich nicht durchstehen würde, hält Seeger für falsch. «Eine normale, gut geleitete Geburt ist von jeder Frau überstehbar», betont Seeger. Zumal es nicht nur eine Wahl zwischen Kaiserschnitt mit Narkose und natürlicher Geburt ohne alles sei, betont der Mediziner. Schließlich gebe es sehr wirksame Schmerztherapien, wie etwa die PDAPDA ist die Abkürzung für Periduralanästhesie. Es handelt sich dabei um eine Form der Regionalanästhesie, die durch Punktion an der Wirbelsäule durchgeführt wird. , die während der Normalgeburt erfolgreich zum Einsatz kommen können, sodass diese im Idealfall fast schmerzfrei verlaufen kann.
Doch der PDA bei einer natürlichen Geburt wird nicht genauso viel Vertrauen entgegen gebracht, wie einer Voll- oder Teilnarkose beim Kaiserschnitt. Im Bundesdurchschnitt werden nur 20 Prozent der Normalgeburten durch eine PDA erleichtert. Der Grund für das Misstrauen: Die Nebenwirkungen und RisikenZu Nebenwirkungen der PDA gehören Kopfschmerzen, die in ganz seltenen Fällen über mehrere Tage anhalten können und Blutdruckabfall. Wird die Nadel zu tief oder falsch gesetzt, kann dies zur Verletzung des Rückenmarks oder zu Blutergüssen sowie zu Herzstillstand führen. , die Seeger für vergleichbar gering hält, werden unter den Frauen überbetont und überbewertet.
Der Einfluss der Reichen und Schönen
Die öffentliche Wahrnehmung des Kaiserschnitts als schmerzarme Entbindungsvariante werde zudem durch die Reichen und Schönen geprägt. «Ich glaube zwar nicht, dass sich eine Frau dafür entscheidet, um einer Britney Spears nachzueifern», sagt Seeger. Aber weil Promis wie Spears oder Angelina Jolie schon zwei Tage nach der Geburt lächelnd mit perfektem Make-Up und Baby im Arm die Titelseiten zieren, werde immer wieder suggeriert, wie unkompliziert die Skalpell-Variante sei. «Die Risiken werden an dieser Stelle natürlich nicht diskutiert.»
Und diese Risiken seien nicht gering. So können Verwachsungen zu chronischen Beschwerden führen und den Traum vom Nachwuchs ohne Schmerzen platzen lassen. Zwar sei die Sterblichkeitsrate genauso hoch wie bei Normalgeburten, aber das Thromboserisiko sei um ein Fünffaches höher. Zudem kann es zu Wundheilungsstörungen und Infektionen kommen, angrenzende Organe, etwa die Harnblase, könnten verletzt werden. Das Risiko für nachfolgende Schwangerschaften steigt ebenfalls. So kann die innere Narbe an der Gebärmutter während der Geburt oder schon während der Schwangerschaft reißen, die Plazenta Die Plazenta wird auch als Mutterkuchen bezeichnet und bildet sich während der Schwangerschaft in der Gebärmutter. Das Kind wird während der Schwangerschaft über die Plazenta mit Nährstoffen versorgt. Die Verbindung zwischen Platzenta und Fötus erfolgt über die Nabelschnur. Die Plazenta wird nach der Geburt des Kindes als sogenannte Nachgeburt geboren. oder auch der Fötus Als Fötus wird ein Baby ab der neunten Schwangerschaftswoche bezeichnet. In den Wochen davor spricht man von einem Embryo. Der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Stadien: Beim Fötus wurden bereits die inneren Organe angelegt. können sich in der Narbe einnisten, sodass die Schwangerschaft im schlimmsten Fall abgebrochen werden muss.
Aber nicht nur der Körper der Mutter wird Risiken ausgesetzt. Auch den Kindern tut man mit einem unnötigen Kaiserschnitt keinen Gefallen, da sich das Risiko für Asthma, Allergien und Diabetes erhöht. Auch können Babys direkt nach der Geburt große Schwierigkeiten mit der Atmung haben und müssen schlimmstenfalls künstlich beatmet werden.
Wichtig: ein aufklärendes Gespräch
Für Dr. Sven Seeger gehört zu einer optimalen Geburtsvorbereitung ein intensives, aufklärendes Gespräch. Schließlich habe ein Kaiserschnitt auch ernstzunehmende Vorteile. Wie etwa die Garantie, dass der Genitalbereich intakt bleibt und ein Dammriss – oder präventiver Dammschnitt Der Dammschnitt wird bei einem schwierigen Geburtsvorgang präventiv gesetzt, um einem eventuellen Dammriss zuvorzukommen und die Geburt zu erleichtern. Der Schnitt erfolgt während einer Presswehe. – von vornherein ausgeschlossen ist. Im Normalfall schlagen aber die Waagschalen zu Ungunsten eines Kaiserschnittes aus, so Seeger.
Den Luxus der ausführlichen Beratung in mindestens zwei Gesprächsterminen
könne sich aber nicht jedes Krankenhaus leisten, räumt der Mediziner ein. Deshalb geben viele Ärzten den Wunschkaiserschnitten auch ohne medizinische Indikation unnötig schnell nach.
Auch wenn Seeger die Normalgeburt für die bessere Entscheidung hält, könne der Kaiserschnitt in verschiedenen Fällen eine gute Alternative darstellen. Etwa, wenn eine Frau bereits bei einer vorhergehenden Geburt durch starke Schmerzen ein Geburtstrauma erlebt hat oder das Kind sich in einer BeckenendlageVon einer Beckenendlage wird gesprochen, wenn das Kind sich kurz vor der Geburt nicht mehr in die richtige Geburtslage – mit dem Kopf nach unten – gedreht hat und stattdessen sich der Kopf am oberen Rand der Gebärmutter befindet. Eine Spontangeburt auf natürlichem Weg ist zwar auch bei dieser Kindslage möglich, bringt aber einige Risiken mit sich. Je nachdem wie weitere Faktoren ausfallen, wird bei der Beckenendlange häufig ein Kaiserschnitt angewendet, um das Kind auf die Welt zu holen. befinde. Dann müsse man die Risiken gegeneinander abwägen. Aber letztendlich müsse immer die Schwangere selbst entscheiden, welche Variante für sie die beste ist.
Donnerstag, 9. September 2010 - 22:34 Uhr
Geburt nach Terminplan

Im Saarland kommen mehr Babys per Kaiserschnitt zur Welt als in anderen Bundesländern. dpa
Saarbrücken. Seit Jahren steigt die Kaiserschnitt-Rate im Saarland, aber auch bundesweit an. Waren 1990 noch 18 Prozent der Kinder per Kaiserschnitt entbunden worden, lag die Rate 2009 schon bei knapp 36 Prozent. Die Gründe dafür sind vielfältig, wie eine Umfrage unter Frauenärzten und Hebammen im Saarland zeigt.
„Die Frauen wollen das planen, sie haben Angst vor Kontrollverlust“, sagt Ariane Pém, Chefärztin der Frauenklinik vom St. Josef-Krankenhaus Dudweiler. Viele Kliniken hätten sich damit arrangiert und würden versuchen, auf den Wunsch der Frau einzugehen. Zudem sei es sehr schwierig, eine Frau umzustimmen, die sich bereits entschieden hat. „Die Frauen wollen bestimmen, wann das Kind kommt. Und sie werden auch eine Klinik finden, die das macht“, meint Edith Gabel-Moritz vom Saarländischen Hebammenverband. Auch Dieter Mink, Leiter der Frauenklinik am Saarbrücker Winterberg, hat beobachtet, dass der so genannte Wunsch-Kaiserschnitt in den letzten Jahren zugenommen hat. Den Frauen gehe es vor allem um Planbarkeit. Bei einem Kaiserschnitt könne sich die Frau auf den Ablauf einstellen. Bei einer natürlichen Geburt wisse die Frau nicht, wie lange sie dauern und wie schmerzvoll sie sein wird.
Rund 3000 Euro bekommen Kliniken für einen Kaiserschnitt – fast das Doppelte als für eine normale Geburt. „Der finanzielle Anreiz ist sicher ein Grund. Außerdem dauert ein Kaiserschnitt maximal eine Stunde, eine Geburt kann aber bis zu 18 Stunden dauern“, sagt Ariane Pém. Das bestätigt auch Norbert Schöndorf, ehemaliger Chefarzt der St. Elisabeth-Klinik in Saarlouis. „Der wirtschaftliche Druck in den Kliniken ist erheblich. Der Aufwand für eine natürliche Geburt ist wesentlich höher als für eine Kaiserschnitt-Entbindung. Geburtshilfe ist da wie ein Störfaktor, weil sie nicht planbar ist.“ Doch das sehen nicht alle Ärzte so. „Dadurch kann man sich keine Reputation erwerben. Es würde sich rumsprechen, wenn Ärzte versuchen, die Frauen zum Kaiserschnitt zu überreden“, sagt Johannes Bettscheider vom Landesverband der Frauenärzte und Chefarzt im DRK-Krankenhaus in Saarlouis.
Mit knapp 36 Prozent liegt die Kaiserschnitt-Rate im Saarland sechs Prozent über der des Bundesdurchschnitts (30 Prozent). Doch wie verlässlich ist der Bundesdurchschnitt? „Die ehemaligen ostdeutschen Länder, wo die Kaiserschnitt-Rate traditionell niedriger ist, verfälschen den Durchschnitt. Lässt man diese weg, ist das Saarland nur wenige Prozent-Punkte über dem Schnitt“, sagt Bettscheider. In den westlichen Bundesländern (ohne Berlin) liegt die Rate laut statistischem Bundesamt über 30 Prozent, in den östlichen darunter.
„Wir müssen heute viel stärker über mögliche Risiken aufklären – auch wenn sie noch so klein sind“. Das sei die Folge zahlreicher Prozesse gegen Geburtshelfer, die wegen fehlender Aufklärung gewonnen wurden. „Es besteht ein 100-prozentiger Anspruch an die Geburtshelfer. Aber eine Geburtshilfe ohne Risiko gibt es nicht“, sagt Bettscheider. Bei einer Steißlage mit einem Risiko von zwei Prozent stelle sich schon die Frage, ob ein Kaiserschnitt medizinisch notwendig sei. „Aber in diese Situation werden die meisten Frauen sich für einen Kaiserschnitt entscheiden, weil sie das Risiko nicht eingehen wollen“. Ingolf Juhasz-Böss sieht in der gestiegenen Klagebereitschaft eine wichtige Ursache für die hohe Rate. „Es werden immer höhere Summen eingeklagt. Das kann sich heute keine Klinik leisten. In brenzligen Situationen entscheidet man sich in Absprache mit der Mutter lieber für den Kaiserschnitt“, sagt der Leiter des Kreißsaals am Uniklinikum in Homburg.
Dass das Saarland trotzdem über dem Bundesschnitt liegt, lässt sich durch gesundheitliche Faktoren erklären, zum Beispiel, dass hier mehr Frauen rauchen. „Raucherinnen haben ein 20fach höheres Risiko einer Frühgeburt und die werden in der Regel per Kaiserschnitt entbunden“, sagt Bettscheider. Außerdem sei das Saarland mit einer hohen Zahl an Kliniken eher städtisch geprägt – in ländlichen Regionen hingegen sei die Kaiserschnittrate eher niedriger. Allerdings steigt mit dem Alter das Bedürfnis nach maximaler Sicherheit, sagt Juhasz-Böss.
Laut einer Meldung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) ist für die Rate unter anderem der hohe Anteil an übergewichtigen Müttern ausschlaggebend. Da diese häufiger an Diabetes litten, käme es öfter zu einem Kaiserschnitt. Schließlich wird das steigende Alter der saarländischen Mütter als Grund genannt. „Das ist aber kein zwangsläufiger Grund für einen Kaiserschnitt“, sagt Ariane Pém. Das Risiko für Bluthochdruck und Zucker steige mit dem Alter.
Bei vielen Ärzten ist nach wie vor umstritten, ob die Kaiserschnittoperation nun riskanter ist als die natürliche Geburt. Manche Ärzte sehen das Risiko inzwischen mittlerweile als gleich an. Dem stimmt auch Bettscheider zu. „In einer Routine-Situation ist der Kaiserschnitt nicht riskanter. Allerdings steige wDennoch, wegen der Narbenbildung steige aber das Risiko bei einer nachfolgenden Geburt oder Operation, fügt Bettscheider hinzu.
Donnerstag, 9. September 2010 - 22:31 Uhr
Belgierin bekommt mit 51 Jahren Drillinge
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Sie ist in einem Alter, in dem andere Frauen Großmütter werden - doch eine Belgierin ist mit 51 Jahren selbst noch einmal Mutter geworden. In Tournai brachte sie per Kaiserschnitt Drillinge zur Welt, nachdem sie in einer spanischen Klinik eine künstliche Befruchtung hatte vornehmen lassen.
Brüssel - Mit 51 Jahren hat eine Belgierin nochmals Drillinge bekommen und damit die Zahl ihrer Kinder auf einen Schlag auf zwölf erhöht. Die Frühchen seien in der Nacht zum Donnerstag im wallonischen Tournai per Kaiserschnitt auf die Welt gekommen, berichtete die Zeitung "La Capitale" am Freitag.
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Nach Angaben des Blatts ließ sich die Mutter in einer spanischen Klinik künstlich befruchten, da der risikoreiche Eingriff in Belgien nicht möglich gewesen wäre.
Insgesamt habe die Frau mit der Privatklinik von Barcelona einen Vertrag über drei künstliche Befruchtungen geschlossen, berichtete die Zeitung weiter. Nach einem ersten Eingriff vor vier Jahren bekam die Frau demnach ein Mädchen, nach einem weiteren Eingriff zwei Jahre später einen Jungen. Nun hat sie drei weitere Jungen. Sie fühle sich einfach noch zu jung, um auf Babys zu verzichten, sagte die 51-Jährige dem Blatt. "Man sagt mir oft, dass ich die geborene Mutter bin."